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Feiertagsmarathon-Finisher

Es ist seit einem Monat das erste Wochenende, auf das nicht gleich nach nur einem Arbeitstag wieder ein Vorabend von einem Feiertag folgt und ich bin eigentlich ganz glücklich damit. Einfach mal Stille und nicht planen müssen, wann wir wen besuchen und welches Essen wir mitbringen, Schitzel und Challa vom Schwiegervati und einen regulären Wochenablauf, das ist gerade alles was ich brauche. Im Ernst, 4 Wochen in Folge Feiertage sind einfach zu viel auf einmal. Am Anfang ist es ja noch ganz schön Rosh Hashana, das jüdische Neujahr und natürlich Yom Kippur - aber nachdem wir das Fasten geschafft hatten, habe ich mental mit den Feiertagen für diesen Herbst abgeschlossen.


Mit Sukkot hatte ich nie viel am Hut, wir haben zuhause keinen Platz für eine Laubhütte, unser Balkon ist schon überdacht und für Simchat Torah, der Feier, die Torah wieder einmal komplett durchgelesen zu haben und von vorne zu beginnen, fehlte mir immer die Gemeinde. So waren die beiden Feiertage immer nur noch ein Grund, die Familie zu treffen und viel zu Essen, aber so richtige Feiertagsstimmung ist nie bei mir aufgekommen.


Anders dieses Jahr. Nach meinem Blogeintrag, zum Judentum zu konvertieren hab ich tatsächlich eine Gemeinde in Haifa kontaktiert und die Rabbiner haben mich direkt unter ihre Fittiche genommen. Pünktlich zu den Feiertagen konnte ich im Konversions-Kurs mit drei anderen Teilnehmerinnen anfangen zu lernen. Um die Bürokratie, wie alles später abläuft kümmern wir uns ganz israelisch "achrei hachagim", nach den Feiertagen - die Hauptsache ist, ich kann jetzt erst mal mitmachen und lernen.


Die traditionelle Sukkot-Deko der Shomronim, der Samariter, die ich im April besucht habe.

Sukkot dauert eine ganze Woche, an einem Abend konnten wir zum ersten mal zusammen in einer Laubhütte essen: die Gemeinde hatte eine große Sukkah und ein noch größeres Buffet aufgebaut, zu dem jeder etwas beigesteuert hat und ich bin wieder einmal dankbar für das Catering meines Schwiegervaters, über leckeres Essen kommt man eben am schnellsten mit anderen ins Gespräch und wir wurden wirklich schön von den Gemeindemitgliedern aufgenommen. Außerdem konnte ich endlich mal eine der berühmten Etrogim aus der Nähe sehen. Ein Etrog ist ein Obst, das aussieht wie eine etwas zu groß geratene Zitrone und richtig stark und süß duftet. An Sukkot werden traditionell die schönsten herausgesucht und zusammen mit dem Lulav, Zweigen von Palme, Myrte und Weiden in alle Richtungen geschwenkt.


 

Der letzte Feiertag in unserem Marathon ist Simchat Torah und gleichzeitig der letzte Tag von Sukkot. Uns allen hängen die vielen großen Feiertags-Essen schon zum Hals raus, also machen wir heute einen kleinen Familienausflug mit den Hunden, allerdings nicht ohne vorher die Torah zu feiern: traditionell werden dazu die Torah-Rollen aus dem Schrank geholt - die Kinder bekommen hier kleine Plüsch-Torahs - und es wird zusammn sieben Mal im Kreis getanzt. Zwischen den Tänzen werden jeweils der letzte und der erste Abschnitt der Torah vorgelesen, als Symbol, dass sie nie endet und ein neues Jahr mit 54 neuen Abschnitten, die wöchentlich gelesen werden, beginnt.


Am Nachmittag nutzen wir dann den letzten Feiertag für einen kleinen Ausflug in den Norden, es geht zum Nahal Betzet, einem Fluss, der im Libanon entspringt und unterhalb von Rosh Hanikra ins Mittelmeer fließt. Dort angekommen sehen wir allerdings, dass Hunde nicht mitkommen können, so drehen wir eine kurze Gassi-Runde in die andere Richtung und landen inmitten byzantinisher Ausgrabungen - hier findet man echt an jeder Ecke ein bisschen Geschichte. Auf dem Nachhauseweg machen wir noch einen kleinen Abstecher nach Rosh Hanikra, die Grotten sind auch für Israelis ein richtiger Touristen-Magnet, deswegen besuchen wir nur den Strand, wovon man aber auch eine wunderschöne Sicht auf die Felsen hat. Die Hunde haben uns schon so einige Menschenmassen erspart, aber es ist auch schön, nach diesen ganzen Feiertagen nur zu viert zu sein.


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