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Goodbye, Deutschland!

Als Auswanderin ist mein Guilty Pleasure natürlich "Goodbye Deutschland". Und ich erzähle fast jede Folge haarklein meinem Freund nach, ich wünschte, er würde Deutsch verstehen!


Damit der Traum vom Auswandern nach Israel nicht platzt, hier die fünf größten Fehler aus der Sendung, die zwar im Fernsehn viele machen, aber die Auswanderung nach Israel ganz schön in den Sand setzen:



1. Mit Touristen-Visum ankommen und erwarten, einfach hier bleiben zu können.

Seit ich mich durch den Israelischen Visa-Dschungel geschlagen hab, wird mir immer ganz schlecht, wenn ich sehe, wie Leute ins Ausland fliegen und erwarten, sich ein neues Leben aufbauen zu können, aber offiziell nur ein Visum über 3 Monate ohne Arbeitserlaubnis haben. Viele denken außerdem, es ist möglich von Israel aus für eine ausländische Firma zu arbeiten, zumindest um Zeit zu überbrücken, bis man das Arbeitsvisum bekommt. Aber das ist ein Problem, das spätestens gelüftet wird, wenn man die Unterlagen über Einkommen beim Innenministerium vorzeigt. Das Ding ist nicht mal, ohne Arbeitsvisum zu arbeiten, sondern einfach Steuerhinterziehung und kann ganz schnell den Visa-Prozess beenden.


Wer jüdisch ist oder jüdische Großeltern hat, kann sich an die Jewish Agency wenden, die kümmern sich um euch. Gehört ihr aber nicht dazu, gestaltet sich die Auswanderung nach Israel schon etwas schwieriger. Um als Nichtjude tatsächlich eingebürgert zu werden und länger als ein paar Monate oder Jahre zu bleiben, ist die einzige Möglichkeit ein Israelischer Partner. Verheiratet oder nicht spielt dabei übrigens keine Rolle.




2. Den Papierkram unterschätzen

Wie oft standen die Auswanderer in der Show vor vor den Büros der Einwanderungsbehörde und nichts ging mehr - die Papiere sind nicht vollständig.

Bei egal welchem Visum ist es auch in Israel wichtig, die passenden Dokumente parat zu haben. Selbst beim Touristen-Visum, das 3 Monate gültig ist und das man als Deutscher nach 1928 geborener nicht mal separat beantragen muss, muss der Pass mindestens noch 6 Monate nach dem Rückflug gültig sein. Ich habe es am Flughafen schon mal erlebt, dass eine Passagierin nicht boarden konnte, weil ihr Pass genau während ihrer Zeit in Israel abgelaufen wäre.


Für alle Visas, bei denen man sich länger im Land aufhält, braucht man je nach Visa-Art die unterschiedlichsten Dokumente: Bluttests vom Arzt (unter anderem Tuberkulose und HIV), Führungszeugnis, Geburtsurkunde, falls relevant Heiratsurkunde oder Bescheinigungen über Kinder… Die Liste könnte noch ewig so weitergehen, aber weil ich hier über verschiedene Visas schreibe, will ich nicht alles noch durcheinanderer bringen. Also kurz gesagt: Seid 100 prozentig sicher, dass ihr alle Dokumente habt, jedes mit Apostille aus Deutschland und die auch noch am Visa-Termin gültig sind. Das Führungszeugnis läuft z. B. nach 3 Monaten ab und man müsste dann ein neues beantragen. Manche Büros des Innenministeriums verlangen eine Hebräische Übersetzung, in anderen ist Englisch genug, fragt nach und lasst euch alle Infos wenn möglich schriftlich geben.




3. Glauben, man kommt ohne Hebräisch zurecht

Israel-Urlauber schwärmen immer, wie leicht es hier ist, sich mit Einheimischen zu verständigen und jeder junge Israeli spricht besseres Englisch als Deutsche im gleichen Alter, was übrigens daran liegen könnte, dass sämtliche Amerikanische Serien und Filme nicht synchronisiert werden, sondern nur mit Untertiteln im Fernsehn laufen. Bewegt man sich aber raus aus der Urlaubs-Bubble, sind die meisten Einwanderer aufgeschmissen, ohne einen Israeli, der sich um Telefonate und Papierkram kümmert. Die wenigsten Beamten im Innenministerium, in der Bank oder bei der Versicherung sprechen gutes Englisch oder haben überhaupt Lust, sich mit Fremdsprachen herum zu schlagen.

Deswegen: Lernt Hebräisch, am besten schon zuhause und macht hier in Israel dann einen richtigen Kurs. In meiner Kibbutz-Zeit habe ich nur ein bisschen Hebräisch gesprochen, was ich just for fun in Kursen in Berlin gelernt hatte, aber schon das bisschen hat mir so viel weitergeholfen, richtig unter meinen Arbeitskollegen anzukommen.




4. Sich drauf verlassen, dass einem andere helfen

Noch so ein Ding, bei dem ich in der Fernsehshow inständig hoffe, dass alles nur inszeniert ist: Leute kommen im neuen Land an, setzen auf die Unterstützung von anderen Auswanderern und erwarten, dass es bei ihnen genauso einfach läuft. Ich mach es kurz: So hilfsbereit Israelis sein mögen, so verplant sind sie auch. Vor allem in einem chaotischen Land wie Israel rate ich immer, einen Plan B zu haben. Ich persönlich gehöre auch noch zur Pessimisten-Fraktion und gehe immer vom Schlimmsten aus, so hatte ich selbst als mein jetzt-Freund mir damals angeboten hatte, erst mal eine Zeit lang bei ihm zu wohnen, bevor ich in den Kibbutz gehe, noch eine Backup-Option.




5. Denken, es wird so wie im Urlaub

Als Auswanderer in ein Land, in dem man vorher scho mal Urlaub gemacht hat, hat man natürlich bestimmte Erwartungen. Nach der Arbeit noch mal ins Meer springen, ein Feierabendbier am Strand oder Ausflüge in die hunderte Nationalparks und noch mehr vom Land sehen... Wenn man dann bedenkt, wie unterschiedlich die Work-Life-Balance bei einem Vollzeit-Job in Israel im Vergleich zu Deutschland ist, bleibt dazu kaum noch Zeit. Und auf Dauer wird es ganz schön teuer, so zu leben wie im Urlaub - so hab ich mich mit deutschen Produkten eingedeckt und kann mich nicht mal dran erinnern, wann ich meinen letzten Falafel gegessen habe.





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