IMG_20180406_111831.jpg

Blog

Mein Auswanderer-Q&A

Ich durfte für die Instagram-Seite myexpatstory.de ein paar Fragen zu meiner Auswanderung beantworten. Weil ich sie so schön gezielt fand und der Text dann doch etwas länger wurde, gibt es meine Antworten jetzt auch hier. Schaut doch trotzdem mal auf Instagram vorbei, ich finde es so spannend, die Q&As von anderen Auswanderern zu lesen!


mein erstes Zuhause, der Kibbutz war als Dorfkind natürlich genau das richtige

Wie detailreich und wie lange im Voraus hast du deine Auswanderung geplant?

Abgesehen davon, dass ich schon hier und da Hebräischunterricht genommen hatte, habe ich meine Auswanderung innerhalb von 6 Wochen geplant. Erst dachte ich, dass ich nur ein Visum für ein halbes Jahr bekommen kann, dann haben sich aber mit der Zeit immer mehr Optionen für andere Visa aufgetan.



Wie gingen Familienangehörige mit deiner Auswanderung um?

Meine Eltern waren begeistert, von meiner Mama kam sogar die Idee, doch nach meiner Kündigung noch mal für längere Zeit nach Israel zu gehen. Ich glaube, sie freuen sich, wenn sie mich besuchen können, sie reisen gern nach Israel. Meine Oma fand es sehr schade, dass ich so weit weg bin, aber sie hat gesehen, dass ich hier sicher und glücklich bin. Insgesamt waren die Reaktionen sehr positiv und es war denke ich allen klar, dass ich früher oder später in Israel leben werde.



Was hast du früher gearbeitet und was arbeitest du jetzt?

Ich war schon nach meinen ersten Photoshop-Spielereien als Teenager mein ganzes Arbeits-Leben lang Grafikdesignerin, früher in einer Firma in Berlin, dann zeitweise in Tel Aviv, wobei das Pendeln von über einer Stunde einfach sehr anstrengend war. Jetzt arbeite ich als Freelance Designerin von zuhause aus - lustigerweise mit meistens deutschsprachigen Kunden in Israel.


die zwei Schnarchnasen

Wie sieht nun dein Alltag aus?

Morgens werde ich von unseren beiden Hunden geweckt, nach einem schnellen Kaffee geht's zur Gassi-Runde und dan je nachdem an die Arbeit, zu Terminen oder an den Strand. Seit ich nach Tel Aviv gependelt bin und kaum Zeit hatte, um zu realisieren, dass ich in meinem Traumland lebe, weiß ich die freie Zeiteinteilung so richtig zu schätzen und nehme mir die Zeit.



Wie gut oder schlecht kann man mit umgerechnet 1000€ neto pro Monat in deinem Land - und speziell in deiner Stadt - leben?

Mein Mann sagt, man kann damit drei mal gut im Supermarkt einkaufen gehen. Aber im Ernst, das Leben in Israel ist wirklich unglaublich teuer und wir haben richtig viel Glück, verhältnismäßig wenig Miete zu bezahlen. Die Preise in unserem alten Viertel sind in den letzten zwei Jahren extrem gestiegen, allein die Miete von unserer vorherigen Wohnung um 50%. Dabei ist der Lebensstandard aber viel niedriger als in europäischen Ländern. In Tel Aviv ist im Vergleich zu uns hier in Haifa aber noch mal alles einen Tick teuerer, sie war 2021 die teuerste Stadt der Welt.



Was gefällt dir in deinem Auswanderungsland besser als in deiner alten Heimat?

Dass es einfach Israel ist. Keine Ahnung, was mich schon immer hier so fasziniert und angezogen hat. Für mich ist es das schönste und vielfältigste Land der Welt, wir können in 5 Minuten zum Strand spazieren, in 2 Stunden bin ich mit dem Zug in Jerusalem, das ist immernoch unglaublich für mich. Die ganze Geschichte, die einmalige Atmosphäre, die es so nirgendwo anders auf der Welt gibt.

Außerdem natürlich das Wetter und dass alles viel Familien- und Hundefreundlicher ist, man kommt sofort mit Leuten ins Gespräch, wenn man mal verloren in einen Stadtplan schaut, kommt sofort jemand und hilft.



Und was nervt dich im Gegensatz dazu so richtig?

Die Autofahrer! Fahren können sie hier wirklich nicht. Und so familiär, wie hier alle sind, so frech sind sie auch. Es ist einfach die Direktheit, die wir als Deutsche nicht gewohnt sind. Wer dir noch die Tür aufgehalten hat, drängelt sich in der Schlange vor... Man gewöhnt sich aber dran und wird leider mit der Zeit genauso - man lässt sich allgemein viel weniger gefallen und sagt seine Meinung.



Welche Dinge sind verhältnismäßig günstig oder aber auch viel teuerer?

Koscheres Essen ist hier viel günstiger und natürlich leichter zu bekommen als in Deutschland. Ich glaube, das war's auch schon... Was schon immer extrem teurer war sind Drogerieartikel, eine Tube Zahnpasta kostet hier locker 10 Euro. Und Hundeleckerlis, die lassen wir uns auch immer von Familie und Freunden aus Deutschland mitbringen.



Ein paar Insider-Tips: Was sollte man unbedingt gesehen oder getan haben, wenn man in diese Gegend kommt?

Haifa wird von allen Israel-Touristen unterschätzt. Den klassischen Tel Aviver Strandurlaub kann man auch hier verbringen - mit weniger Leuten und viel günstiger an schöneren Stränden. Im Norden mag ich auch Safed sehr gerne. Zum Schnorcheln und um den Sonnenuntergang anzuschauen ist der Südstrand in Eilat wunderschön.





Wie hast du deinen Partner kennen gelernt?

Wir haben den Tag mit dem lustigerweise gleichen Freundeskreis am Strand verbracht. Später, als ich fast zurück in meinem Hostel war, habe ich realisiert, dass ich gerade den einzigen Israeli ohne Social Media kennen gelernt und - viel schlimmer - keine Telefonnummern ausgetauscht habe! Es war Freitagabend, Shabbat, die Stadt stand still und so habe ich kurzerhand ein Taxi zurück an den Strand genommen: "Ich hab gehofft, du bist noch hier..."



Was hat dir geholfen, die Landessprache zu lernen?

Meine Schwiegermutti! Sie spricht zwar sehr gut Englisch, aber eines Tages haben wir vereinbart, dass wir bei ihr nur noch Hebräisch sprechen und sobald ich durch ihre Tür gehe, klappt der Schalter um und es kommt ganz automatisch.

Vor meiner Auswanderung habe ich mich schon immer für Hebräsich interessiert und hatte in Israel und auch in Deutschland Unterricht, aber nie so richtig gesprochen. Letztens war sogar mein Mann überrascht, wie gut ich spreche, wenn ich kurz vorher bei meiner Schwiegermutti war.



Thema Kriminalität: Wie sicher fühlst du dich hier? Vor was sollte man sich in Acht nehmen, bzw. welche Gegenden oder Situationen sollte man vermeiden?

Ich fühle mich als Frau insgesamt viel, viel sicherer als zum Beispiel in Berlin, dort habe ich auch ein paar Jahre lang gewohnt. Vielleicht durch die Hilfsbereitschaft der Leute. Manche Urlauber finden die Präsenz der Armee einschüchternd, ich fühle mich umso sicherer. Einen Raketenalarm hatten wir bei uns in Haifa gottseidank nicht, seit ich hier bin, aber da fährt man immer gut, wenn man sich an die Einheimischen hält.



Wie hat dich die Auswanderung als Mensch verändert?

Die größte Veränderung war für mich natürlich die Konverison zum Judentum, ich hatte jahrelang nicht so viel mit Religion am Hut, bis ich hier gemerkt habe, "das passt ja ganz gut"... Es ist natürlich ganz persönlich und ein bisschen so, als müsste man erklären, wieso man sich in seinen Partner verliebt hat.

Abgesehen davon bin ich insgesamt erwachsener geworden, lass mir nicht mehr alles gefallen und sage auch mal meine Meinung, ganz israelisch und nicht immer ganz einfach.



Wenn du noch mal auswandern würdest, mit dem Wissen, das du jetzthast, was würdest du diesmal anders machen?

Es hat eigentlich alles so gepasst, wie es gekommen ist. Ich hätte vielleicht eher anfangen können, nicht nur Hebräisch zu lernen, sondern auch zu sprechen und mir weniger Gedanken zu machen, "was die Leute denn von mir denken könnten".



Bonusfrage: Was hat es mit "Lisa Yael" auf sich?

Yael ist mein hebräischer Name, den ich zur Konvertierung auswählen durfte. Ich werde ihn wohl auch in meinen israelischen Ausweis eintragen lassen, wenn ich ihn in ein paar Monaten verlängere. Wer mich als Lisa kennt, für den bin ich gern weiterhin Lisa, ich mag meinen Namen ja. Wen ich neu kennen lerne, dem stelle ich mich als Yael vor, ist in Israel auch ein bisschen leichter und wird nicht immer falsch geschrieben. (Ja, das passiert bei Lisa je nach Aussprache... :D)

Gefällt dir mein Blog?

Melde dich für meinen Newsletter an und werde bei neuen Einträgen benachrichtigt!