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5 Jahre Israel!

Morgen, am 13.12. ist es geanu 5 Jahre her, dass ich nach Israel ausgewandert bin, ohne es zu wissen! Und es kommt mir so vor, als wäre ich gerade erst gelandet und hätte mein Selfie am Bahnsteig des Flughafens gemacht, während ich auf den Zug in Richtung Norden warte.


Gelandet! Da wusste ich noch nicht, wie lange ich wirklich bleibe.

Mein Freund, den ich damals gerade mal ein paar Monate kannte - inklusive Monate, in denen keiner von uns beiden so richitg wusste, ob wir uns überhaupt noch mal wieder sehen, ich habe ja immerhin in Berlin gewohnt und er in Haifa - hat mir draußen vor der Wohnung einen Schlüssel versteckt. Drinnen saß unser lieber Hund Gever, der damals auch noch nicht so richtig wusste, was gerade los ist. Er beäugt mich fragend und so saßen wir mehr oder weniger zusammen und warten auf sein Herrchen. Wir haben noch keinen Draht zueinander, ich weiß nicht wirklich, wie man einen Hund beschäftigt und mache stattdessen einen kleinen Spaziergang an den Strand. Ich bin fast alleine, es hat den ganzen Tag geregnet und stürmt noch richtig, aber ich freue mich! Endlich wieder in Israel!


Für Juden, die nach Israel einwandern ist das Aliyah-Datum, in hebräisch "der Aufstieg" nach Israel ein ganz besonderer Tag. Aus Erzählungen weiß ich, dass man am Flughafen direkt einen israelischen Ausweis und einen Handyvertrag als Willkommensgeschenk bekommt. Für meine Ankunft hat sich damals niemand interessiert und meine ID kriege ich, wenn alles nach Plan läuft im nächsten Frühling - nach etwas über fünf Jahren im Land. Alles was ich damals hatte, war eine Aufenthaltsgenehmigung für 6 Monate und keinen Plan, was ich danach überhaupt mache.


Aber es wäre nicht Israel, würde sich nicht alles irgendwie fügen, meine Mama sagt immer "alles kommt, wie es soll" und jetzt soll es wahrscheinlich so sein: Nach ewigen Visa-Verlängerungen bin ich seit ein paar Jahren im Einbürgerungs- und seit Neuestem auch im Konversionsprozess. Und nach so einem Start und jahrelangem Warten ist es immer noch ein bisschen unwirklich, aber ich werde in Zukunft echt als Jüdin im Land Israel leben. Krass! Über die Bürokratie nach der Konversion will ich mir erst mal aber keine Gedanken machen, die jährlichen Besuche im Innenministerium, um unser Partner-Visum zu verlängern haben mir immerhin einen kleinen Vorgeschmack auf die Wartezeiten gegeben.

Stürmisches Mistwetter, aber eine ist glücklich. Mit Hund Gever freunde ich mich später erst so richtig an... :)


Wie meine Auswanderung abgelaufen ist, habe ich ja schon mal in einem anderen Blogeintrag erzählt. Aber was hat sich sonst noch in meinem Leben verändert?

Zum Guten auf jeden Fall mein Hebräisch - in den ersten zwei Jahren habe ich nur gesprochen, wenn es wirklich nötig war, jetzt plappere ich einfach drauf los, auch wenn ab und zu ein kleiner Fehler passiert. Meistens sind sie ganz witzig, so habe ich unsere Hündin anstatt liebevoll "hirnlos" als "Gehirnwäsche" bezeichnet und mich beim Hebräisch reden als "getrocknet", statt "schüchtern". Und endlich fangen wir auch daheim an, Hebräisch zu sprechen, auch wenn sogar mein hebräischer Muttersprachler-Freund ab und zu ins Englisch abrutscht - 5 Jahre sind eine lange Zeit, sich dran zu gewöhnen.


Bin ich in den letzten Jahren auch israelischer geworden? Ich habe zumindest gelernt, dass manches nur läuft, wenn man es auf die israelische Art regelt: Noch einmal mehr nachfrgen, noch einmal nerven. Und kaum zu glauben, was auf einmal möglich ist, wenn man nur die richtigen Leute kennt. Das gleiche gilt beim Autofahren, ich werde langsam offensiver und ein Teil des israelischen Straßenchaos - nur fluche ich immer noch auf Deutsch.

Was ganz putzig ist, sind kleine hebräische Ausrufe, die ganz von alleine in meinen Sprachgebrauch eingeflossen sind und so "nuuu" und "oy!" ich mich durch's Leben.


Nach fünf Jahren fühle ich mich endlich nicht mehr als "die Deutsche". Gerade letzte Woche war ich auf einem Konzert und habe die gleichen Leute getroffen, die man dort sonst auch immer sieht. Ich gehöre endlich dazu und wenn nicht gerade jemand nach meinem Reisepass fragt, bin ich schon richtig eine von ihnen.

 

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