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Es geht los!

Es ist jetzt also offiziell und so nah dran, wie jetzt war ich noch nie: Ich mache tatsächlich die ersten richtigen Schritte in Richtung Jüdischsein. Wirklich kurz nach meinem Blogeintrag um die Frage, warum ich nicht "einfach konvertiere" habe ich eine Gemeinde in Haifa kontaktiert und kaum eine Woche später saßen mein Freund und ich schon in der ersten Stunde Konversionsunterricht. So lange, wie sich der Prozess über die letzten Jahre hingezogen und nichts geklappt hat, so schnell geht es jetzt auf einmal. Das jüdische Neujahr stand vor der Tür, wann könnte ich also besser anfangen als jetzt?


Nur für Schwindelfreie: die Hurva-Synagoge im Jüdischen Viertel der Altstadt in Jerusalem

Mit mir im Kurs fangen vier weitere Konvertiten an zu lernen, unsere jeweiligen jüdischen Partner kommen ab und zu zu manchen Unterrichtsstunden mit und ich merke richtig, wieviel Spaß mein Freund dabei hat. Der wichtigste Teil im Kurs, so wurde uns ganz am Anfang erklärt, ist es, Fragen zu stellen. Da macht er schon alles richtig und typsich "2 Juden, 3 Meinungen" beginnen die Diskussionen, ich fand sowas schon immer spannend, über mögliche Auslegungen der Bibeltexte und der ganzen rabbinischen Schriften zu lesen. Jetzt bin ich quasi live dabei.


Passenderweise haben wir in den ersten Wochen alles über die hohen Feiertage gelernt, nach Simchat Torah sind wir zu biblischen Geschichten übergegangen und ich bin froh, dass ich vom Kindergottesdienst und Konfirmationsunterricht früher eine gute Basis habe. Jetzt wird alles noch detaillierter und ich lerne die Zusammenhänge kennen.


Vor zwei Wochen habe ich dann den zweiten großen Schritt gemacht und die Bitte, zu Konvertieren über unsere Rabbiner aus der Gemeinde an das zuständige Beit Din geschickt. Ein Beit Din sind meistens 3 Rabbiner, die jetzt prüfen, ob ich bereit bin, mit der Konvertierung zu beginnen und am Ende nach dem Jahr Unterricht sehen, was ich gelernt habe und entscheiden, ob ich Jüdin werde oder nicht. Also der wichtigste Part in dem ganzen Prozess.


Das Formular an's Beit Din konnte ich recht schnell ausfüllen, Details über mich, meine Verbindung zu Israel und dem Judentum, meinen Freund, aber dann die Sektion: Warum will ich eigentlich jüdisch sein? Ich bin froh, dass ich das dort in Englisch formulieren konnte, selbst jetzt kann ich nicht so richtig beschreiben, was der eigentliche Grund ist. Es ist ein bisschen wie das Gefühl, dass ich im Blogeintrag "Warum ausgerechnet Israel?" beschrieben habe - dort geht es immerhin um Eretz Israel - das Land - und jetzt dreht sich alles darum, auch zum Volk Israel dazugehören zu wollen. Warum macht mich denn die Hatikva so emotional? "Solange noch im Herzen eine jüdische Seele wohnt..." Da haben wir's wieder!


Während ich den Blog schreibe, warte ich noch auf die Antwort des Beit Din. Es kann sein, dass ich den offiziellen Konversionsprozess erst im März beginnen kann, wenn sich mein Visums-Status zu "temporärer Einwohner" ändert. Was aber eigentlich wichtig ist, ist am Ende des Prozesses das Einwohner-Visum zu haben, deswegen werden manchmal Ausnahmen gemacht und das erste Gespräch könnte schon bald soweit sein! Und ich finde, nachdem mich das Thema jetzt schon so viele Jahre beschäftigt und ich mehr oder weniger aktiv lerne, hätte ich so eine Ausnahme doch verdient. Wir werden sehen, wie das Beit Din entscheidet, es bleibt spannend.



 

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