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Es ist offiziell!

Am letzten Mittwoch war es endlich so weit: Mein Mann und ich saßen vor dem Beit Din, dem Rabbiner-Gericht, das darüber entscheidet, ob ich Jüdin werde oder nicht. In den letzten Tagen war ich gar nicht nervös, nur voller Vorfreude, dass ich jetzt endlich dran bin, zu konvertieren. Mein Gefühl hat sich am Morgen vor dem Termin schlagartig geändert, aber es war zu spät, noch mehr zu lesen und zu wiederholen, außerdem versicherte mir mein Mann immer wieder, dass man ja nur zum Beit Din eingeladen würde, wenn die Rabbiner das Gefühl haben, man ist wirklich so weit. Also sollte ich nicht gerade das "Shema Israel", das wichtigste Gebet im Judentum, vergessen haben wird schon alles gut gehen.


Ich glaube, die drei Rabbiner haben gemerkt, wie ernst es mir ist, als mir auf die Frage, warum ich heute hier bin, die Tränen gekommen sind. Diesmal nicht vor Nervosität, es ist immerhin gerade der wichtigste Schritt in meinem Leben! Da darf man schon mal ein bisschen emotional sein. Ich weiß schon gar nicht mehr, was ich alles gefragt wurde, natürlich habe ich das "Shema Israel" zitiert und über die Gebete geredet, die man morgens nach dem Aufstehen spricht. Von Bar Mitzvah- und Hochzeitstraditionen hatten wir es auch kurz - und vor meinem langen Weg zur Konvertierung habe ich erzählt.


Eine Bracha, einen Segensspruch, an den ich mich sicher noch erinnere, gesagt zu haben war der, den man beim Kerzenanzünden an Hanukkah sagt. Darauf wurde ich in den letzten Jahren, längst vor meiner Konvertierung durch meine Lieblingsband vorbereitet, die zu ihren regelmäßigen Konzerten an Hanukkah natürlich auch die Kerzen anzünden und die Brachot und Feiertagslieder singen. Eine Metalband hilft mir im Beit Din, sowas gibt's selten.


Nach gefühlt ein paar Minuten - wobei ich sicher bin, vor Aufregung die Häfte der Fragen und Antworten im Nachhinein vergessen zu haben, es hat jedenfalls länger gedauert - habe ich meine Konverisonsurkunde in der Hand. Verrückt!


 

Nicht weit von hier liegt mein Mikweh-Spot

Um die Konversion komplett zu machen, tauche ich natürlich auch in die Mikwe ein, gut, dass die größte Badewanne des Landes nur ein paar Minuten von unserem Haus entfernt ist. Ich darf meine Tvilah (das Untertauchen) im Mittelmeer an einem kleinen, etwas abgeschiedenen Strand in Haifa machen! Es war etwas windig, deswegen konnte ich nicht so weit raus ins Meer und so stehe ich bis zum Bauch in den Wellen und rufe die Brachot, erst die für die Tvilah - erstes Eintauchen, dann das Shehechianu, ein Gebet, als Dank, das man zu besonderen Feiertagen und Ereignissen sagt - zweites Eintauchen. Zum Abschluss rufe ich noch das Shema Israel und tauche ein drittes Mal unter. Ich bin ganz schön außer Puste, aber genauso aufregend wie jetzt meine Tvilah war, war auch der ganze Konversionsprozess.


Passenderweise fiel mein Beit Din-Termin übrigens fast genau auf dem Tag, an dem ich vor 5 Jahren zum ersten Mal mit einem Rabbiner in Deutschland über eine Konvertierung gesprochen und dann erst mal für mich angenfangen habe zu lernen, der Kreis schließt sich. Und andere Konvertiten werden mir zustimmen, es ist das Beste, jetzt endlich auf die Frage, ob man jüdisch sei, nach jahrelangem "naja, ich lerne gerade... bin im Giur-Prozess... noch nicht, aber bald ist es so weit..." einfach mit einem klaren "Ja!" zu antworten.


 

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