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The Name-Game

Letztens im Konversions-Kurs erzählte eine der Teilnehmerinnen von ihrem zukünftigen hebräischen Namen, den sie sich schon überlegt hat. Im gleichen Moment merke ich, dass es Jahre her ist, als ich über Konversion und einen möglichen jüdischen Namen nachgedacht habe. Und wie das so ist, mit der Zeit lernt man immer mehr Leute kennen, leider auch oft Namensträgerinnen, die einen Namen sofort auf die "No go"-Liste wandern lassen, also beginnt das ganze Spiel jetzt wieder von vorn.


Kennen Sie diese Frau?

Lisa kann weiterhin mein Rufname bleiben, dass Alisa mein erster hebräischer Vorname wird, habe ich im Kopf schon länger beschlossen. "Die Glückliche" passt meistens ja auch ganz gut zu mir. Weil das aber zu einfach wäre und ich auch zur Geburt zwei Namen bekommen habe, hätte ich auch jetzt gern einen Zweiten und die Qual der Wahl will ich mir nicht nehmen lassen und scrolle jetzt durch jüdischen Babynamen-Websites und biblischen Geschichten von Frauen. Spoiler: Es gibt gar nicht mal so viele.


Mit meinem Freund und unseren Müttern brüte ich über Namen und merke, wir als Deutsche haben oft einen ganz anderen Geschmack und uns fehlt der Hintergrund zu manchen jüdischen Namen. Ich finde Zipora schön, meine Schwiegermutti sagt, damit klinge ich wie eine alte Frau. Also das hebräische Pendant zu Hildegard, wir suchen weiter.


Mein Freund hat einen Unisex-Namen, vielleicht nenne ich mich ja nach ihm? Ach halt, er hat schon zwei Cousinen, die genau so heißen wie er. Vor und Nachname. Braucht man zum Familientreffen wenigstens nur einmal rufen. Wir spinnen weiter, vielleicht ein Name mit Bedeutung - Israela? Tikva? Ziona? Etwa gar Golda? Nagut, lassen wir das und werden vielleicht wieder etwas traditioneller.


Yael ist auch schön, im Giur-Kurs habe ich allerdings gelernt, dass sie in einer biblischen Geschichte einem Feind Israels im Schlaf einen Zeltpflock durch die Schläfe gerammt hat - vielleicht etwas rabiat für meinen Geschmack.


Ruth ist bei nicht gebürtigen Juden ein gängiger Name, sie war die erste Frau, die zum Judentum konvertiert ist. Ich sehe vor meinem inneren Auge eine Frau Mitte 50 und finde, dass ich eindeutig noch nicht alt genug für den Namen Ruth bin. Ähnlich passend für eine Konvertitin, meinte mein Freund, wäre Jehudit - wörtlich die Frau aus Judäa.


Miriam gefällt mir auch sehr, ein Name mit Geschichte und einem schönen Klang - letzteres leider auch nur in Hebräisch, wenn die letzte Silbe betont wird. In Deutsch wird ja eher Mia-jam draus. Aber immerhin ein Name für die engere Auswahl. Im Konversionsunterricht wird immer betont, dass am Berg Sinai, als Moses die 10 Gebote bekommen hat alle Juden dabei waren - auch die die später geboren wurden, bzw. konvertieren. Also wieso nicht den Namen von einer Frau wählen, die direkt mit vor Ort war?


Ich bin gespannt, welcher Name es am Ende wird, ich hab ja zum Glück noch etwas Zeit mich zu entscheiden und in diversen Café-Ketten verschiedenste Namen auszuprobieren. Und ein Gutes hat's, ich werde auf jeden Fall aufmerksamer hin hören, wenn sich jemand bei mir vorstellt - vielleicht ist mein zukünftiger Name ja dabei.


 

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