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Zwischen "Daheim" und "Zuhause"

Letztens fragte mich mein Mann, wann meine Mama denn mal wieder ein Päckchen schicken könnte - er bräuchte was aus Deutschland. So gerne ich auch mal wieder Post aus der alten Heimat bekommen würde, erinnerte ich mich an das Warten beim letzten Mal: Ende Juni abgeschickt, hatte sich der Status für drei Monate nicht geändert, laut der deutschen Post ist das Paket in Israel, aber die israelischen Schneckenpost hat keine Lieferung mit dieser Sendungsnummer. Es folgen die Feiertage im Herbst und die Behörden in Israel stehen für gut einen Monat still. Irgendwann erreichen wir jemanden beim Zoll, woraufhin uns versichert wird, dass das Paket nicht dort ist, doch am nächsten Tag ändert sich wie von Zauberhand der Status und unsere Post ist auf dem Weg zu uns nach Haifa. Da hat wohl doch noch mal jemand etwas genauer hingeschaut. Der Grund, warum es so lange gedauert hat, waren übrigens Hunde-Leckerlis, die in Deutschland nur einen Bruchteil von denen hier in Israel kosten und erst mal vom Agrar-Ministerium durchgecheckt werden mussten.


Mit Pessach steht noch ein wichtiger Feiertag vor der Tür und wir haben also beide nicht so wirklich Lust, noch einmal wochenlang auf Post zu warten. "Ich könnte doch für ein paar Tage fliegen!" und zack, rufe ich meine Mama an: "Kannst du mich morgen in Berlin holen?" Sie ist überrumpelt, wir gehen noch mal meinen Terminplaner durch und einigen uns auf den kommenden Freitag, ich fliege für eine Woche nach Deutschland zu meiner Familie!


Während ich mich freue, packe und plane kommt die nächste Enttäuschung: Laut einigen Facebook-Gruppen ist der Ben Gurion Flughafen diese Tage komplett überfüllt und es wird knapp, rechtzeitig zum Gate zu kommen. Alle wollen in den Pessach-Urlaub, doch es gibt nicht genug Sicherheitspersonal. Aber der Flieger wird schon warten und so düsen, wir mit den Hunden im Auto gut fünf Stunden vor Abflug in Richtung Tel Aviv. Kiss and bye, ich muss in Zukunft unbedingt an die richtige Reihenfolge denken und darf die Hunde nicht immer zuerst küssen, bevor mein Mann dran ist...


Landung in Memmingen: Es schneit!

Die Sicherheitsbefragung läuft schnell ab: Was mache ich in Israel? Wie habe ich meinen Mann kennen gelernt? Wie habe ich so gut Hebräisch gelernt? Die einzige Frage, die ich nicht beantworten konnte, war, wie oft ich früher nach Israel gereist bin. Zu oft! Jetzt darf ich mich in die wirklich lange Warteschlange einreihen, für Ryanair gibt es 7 Schalter für alle Flüge der Airlines. Ich bin mittlerweile bei den klassischen 3 Stunden vor Abflug, der Check In nach Memmingen ist geöffnet. Vor mir stehen Israelis, deren Flug in 15 Minuten abheben soll und ich fühle mich ein bisschen weniger gestresst. Nach etwas über einer Stunde bin ich meinen Koffer los und gehe zur Schlange für Nichtisraelis, um mein Handgepäck checken zu lassen. Die Frau hinter mir beschwert sich, dass alles so lange dauert, sie fliegt bestimmt zum ersten Mal aus Israel zurück.


Ich liege immer noch gut in der Zeit und komme eine halbe Stunde vor dem Boarding am Gate an. Der Flieger aus Memmingen lässt sich aber Zeit und so fliegen wir mit einer dreiviertel Stunde Verspätung los. Ich freue mich, bin aber auch ein bisschen traurig, dass ich meinen Mann und die Hunde hier lassen muss. Es nervt ganz schön, wenn die wichtigsten Leute in meinem Leben über 3000 Kilometer voneinander entfernt wohnen.


Die Einreise in Deutschland geht wahnsinnig schnell, ab durch die Passkontrolle sehe ich direkt meinen Koffer auf dem Band und nach 5 Minuten im Flughafen bin ich schon bei meiner Mama, die mich abholen kommt!


 

Die Zeit in Deutschland verbringe ich mit Familienbesuchen und günstigen Einkäufen - und alles, was meine Mutter als "viel teuerer als normal" bezeichnet kostet immer noch gut halb soviel wie bei uns in Israel... Aber wie sagte letztens jemand so schön: "Wenn man nicht umrechnet, kann man die Zeit in Israel auch genießen." Gilt für mich jetzt umgekehrt und ich packe ein, was in meinen erlaubten 20-Kilo-Koffer passt.


48 Stunden vor meiner Ankunft in Israel fülle ich das berühmte Einreise-Formular aus und weil ich alle drei Impfungen in Israel bekommen habe, muss ich mein Impf-Zertifikat nicht mal gesondert hochladen, ein Hoch auf die Digitalisierung! Weil ich seit Anfang März endlich meinen israelischen Ausweis habe, brauche ich wie alle Israelis keinen PCR-Test vor Abflug, einer bei Ankunft reicht, ich kann die Quarantäne im Fall der Fälle ja immerhin zuhause absitzen. Ich mache mir immer noch Gedanken, ob Ryanair darüber auch bescheid weiß und mich boarden lässt, bekomme aber dann eine Email, in der die genauen Regelungen noch einmal aufgeführt sind. Ab jetzt bin ich beruhigt und genieße die letzten Stunden zuhause.


Meine Mama und ich kommen schon einen Tag vor Abflug in Memmingen an und übernachten im Hostel direkt neben dem Flughafen. Wegen der etwas unklaren Parksituation schlafen wir später ein als geplant, aber auch um kurz vor 5 hängt keine Kralle an unserem Autoreifen und wir können los zum Flughafen. Ich habe am Vorabend noch extra eine Email bekommen, dass der Check In für Israel 3 Stunden vorher öffnet. Schade nur, dass das Flughafenpersonal diese Nachricht wohl nicht bekommen hat und wir so noch eine halbe Stunde in einer Traube von Israelis vor dem Gebäude stehen, der Flughafen ist bis 5:30 geschlossen.


Drinnen geht aber wieder alles unkompliziert, und wir haben uns erst an die falsche Schlange angestellt: "Da waren wir doch beim letzten Mal auch!" - "Ich habe aber diesmal einen Koffer aufzugeben!" Als ich nach dem PCR-Test gefragt werde, zeige ich meine israelische ID (das beste Gefühl überhaupt!) und das PDF vom Einreiseformular, alles ok, guten Flug. Jetzt ist es Zeit, mich von meiner Mama zu verabschieden, die Zeit bis zum Boarding vergeht auch recht schnell und schon sitze ich wieder im Flieger zurück in mein neues Zuhause.


Wir landen etwas früher als geplant, im Ben Gurion Flughafen werden wie schon im letzten Jahr alle Pässe gescannt, bevor es nach unten zur Passkontrolle geht. Ich reihe mich bei den Nicht-Israelis ein, aber nach ein paar Minuten kommt eine Flughafen-Mitarbeiterin und fragt, wer hier in der Reihe Hebräisch spricht. Ich zeige ihr meine ID und kann mir die Befragung am Schalter sparen. Die fünf Jahre Warten auf dem Ausweis lohnen sich heute zum ersten Mal so richtig! Ich hole meinen Koffer und kann los zu den Corona-Tests. Hier muss man einfach nur den Barcode vorzeigen, den man bei der Online-Buchung bekommt, das Ergebnis kommt per SMS und, falls man keine Israelische Handynummer hat auch per Email. Es sind gerade mal 20 Minuten seit dem Aussteigen vergangen - mein neuer Rekord - und ich kann draußen in der Sonne auf meinen Mann warten, der mich zusammen mit den Hunden abholt. Mein negatives Testergebnis bekomme ich abends, fast genau 6 Stunden nachdem ich den Test gemacht habe, eine Stunde später kommt die offizielle SMS vom Gesundheitsministerium, dass ich aus der Quarantäne entlassen bin. Im Vergleich zu meinem letzten Flug nach Deutschland, oder gar, als meine Mama mich in Israel besucht hat ist alles wirklich viel entspannter und einfacher geworden, die Urlauber können also kommen. :)


 

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