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Wüste und Meer

Ich liebe Yom Haatzmaut. Wahrscheinlich, weil der israelische Unabhängigkeitstag damals der einzige Feiertag war, an dem ich einfach Israel feiern konnte - es ist kein jüdisches Fest und es gibt keine klassischen Traditionen, die ich als Nichtjüdin noch nicht kannte. Die einzige Tradition, die richtig durchgezogen wird ist Barbecue, das kann ich.


Dieses Jahr lief unser Unabhängigkeitstag aber ganz anders ab, als in den vergangenen Jahren: schon ein paar Tage vorher, während die meisten Leute noch arbeiten, sind wir nach Eilat, in die südlichste Stadt Israels gefahren - Sonne, Strand und Meer, einfach richtiges Urlaubsfeeling, zumindest jetzt noch. Am Abend beginnt nämlich Yom Hazikaron, der Gedenktag für die gefallenen Soldaten und Opfer von Terrorattacken und das ganze Land steht, wie schon am Shoa-Gedenktag für ein paar Minuten still, während Sirenen schallen. Ich als Neueinwanderin kann mir gar nicht vorstellen, was gebürtige Israelis an diesem Tag fühlen, die meisten haben Freunde, Bekannte und Verwandte im Krieg oder bei Anschlägen verloren.


Erst am nächsten Nachmittag wandelt sich die Atmosphäre, der Feiertag steht vor der Tür und die Israelis verbringen die freie Zeit am Strand. So auch wir und während mein Mann mit den Hunden am Strand tobt - ok, sie toben und er versucht, sie zu beruhigen - entdecke ich mit meinem Schnorchel die Unterwasserwelt. So unscheinbar, wie manche Strände vom Land aus scheinen, so schön ist, was sich unter der Wasseroberfläche versteckt. Große und kleine Fische in allen möglichen Farben und Mustern tummeln sich um die Korallen. Hier und da spitzt ein Seeigel hervor und ich wundere mich, dass an Land nirgendwo davon gewarnt wird. Mein kleines Highlight ist, zu sehen wie ein kleiner Fisch vor einem Loch im Boden "Wache hält", während eine kleine Krabbe emsig im Loch arbeitet. Mein Mann, ehemaliger Tauchlehrer und Fischliebhaber erklärt mir später, dass die beiden in einer Art WG zusammen wohnen, einer gräbt den Wohnraum aus, der andere beschützt ihn vor Feinden.



Neben dem Dolphin Reef, einem Strand, der Eintritt kostet, aber auch richtig was zu bieten hat, sind diese drei Strände meine liebsten Schnorchel-Spots - alle liegen am Südstrand, die Reihenfolge von Nord nach Süd):


Mosh Beach

Der israelische Musiker Mosh Ben Ari hat hier ein kleines Paradies geschaffen, das an Südostasien erinnert. Der Strand hat den ganzen Tag über geöffnet und es gibt leckeres Frühstück und andere vegetarische und vegane Gerichte.


Aqua Sport

Ein Tauchcenter und der Ort, an dem ich vor ein paar Jahren meinen Mann kennen gelernt habe - ich bin also nicht ganz unvoreingenommen. Man kann dort auch Schnorchel und Flossen ausleihen und wenn man Richtung Süden schwimmt, kommt man direkt zum Korallenriff im Naturschutzgebiet.


Princess Beach

Südlicher als der Princess Beach ist nur der Grenzübergang nach Ägypten. Man kommt ganz einfach über einen Steg bis vor in's Wasser und ist sofort umgeben von vielen kleinen Fischen.

 

Endlich stand also mein Lieblingsfeiertag an, doch als wir am Morgen von Yom Haatzmaut versuchen, einen Parkplatz am Strand zu bekommen, um unseren Kaffee direkt am Wasser zu trinken, sieht es schlecht aus: unter den Sonnenschirmen liegen jetzt schon Menschenmassen dicht an dicht. Das ist so gar nicht unser Ding und wir planen spontan um: Wenn alle hier am Strand sind, wer ist dann in der Wüste? Ich habe letztens erst gelesen, dass Hunde im Timnapark erlaubt sind und wir haben unser Ziel für heute.


In Timna wurde zur Zeit des alten Ägypten Kupfer abgebaut und man kann noch heute die viertausend Jahre alten Wandmalereien sehen. Außerdem ist durch die vielen verschiedenen Minerale in der Erde die Wüste hier ganz besonders bunt. Der Höhepunkt ist der bekannte Timna-Pilz, der so natürlich aus dem Sandstein geformt wurde. An einem Ort so schön wie Timna sprechen Bilder aber mehr als tausend Worte...



Letztes Jahr habe ich an Yom Haatzmaut übrigens eine Liste geschrieben, mit 73 Sachen, die ich an Israel liebe, ein Punkt für jedes Jahr. Dieses Jahr kommt ein ganz wichtiger, persönlicher Punkt hinzu:


74. Ich habe im März meinen Israelische Ausweis bekommen und bin endlich eine der 9,5 Millionen Einwohner!

 

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