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Es wird Zeit für etwas Neues!

Während ich diesen Blogpost schreibe, hab ich einen Ohrwurm von den Ärzten, der Titel ist Programm, wenn meine Mutter mich in Israel besucht, denn jedes Mal, wenn sie hier ist, entdecken wir Neues:



Tag 1: Einfach mal nichts tun

Erst unfreiwillig, aber wenn wir ehrlich sind, will man nach einem Flug doch eigentlich nur eins: ausruhen, oder falls es wie in unserem Fall ein Nachtflug war: ausschlafen. Meine Mama ist normalerweise schon nach der Landung nicht zu stoppen, wenn wir bei uns in Haifa ankommen geht's erst mal direkt zum Strand, den Koffer können wir auch später auspacken. Diesmal war sie schon fast zur Bettruhe gezwungen - laut der aktuellen Einreise-Corona-Regelungen ist man für 24 Stunden in Quarantäne, oder bis das negative Testergebnis kommt. Genug Zeit, sich noch mal umzudrehen.



Tag 2: Etwas Alltag

In diesem Urlaub hat meine Mama kein Auto gemietet, ich will ihr das alltägliche Leben in Israel zeigen. Morgens gehen wir eine Gassi-Runde mit unseren Hunden, einkaufen in meinen Lieblingsgeschäften und am Abend macht sie einen Strandspaziergang, während ich mich nebenan in meiner Yogastunde dehne. Auch typisch in meiner Alltags-Woche ist das gemeinsame Abendessen bei meiner Schwiegermutti und nach ein paar Gläsern Wein fungiere ich nicht mehr als Übersetzer - die Muttis verstehen sich auch so in ihren jeweiligen Sprachen. Die Herkunft ist egal, wir sind eine Familie.


Wildtierfütterung zuhause, ein Spaziergang am Strand und der Blick über die Krayot bis in den Norden


Tag 3: Auf und ab

Haifa ist für seine Treppen ja schon bekannt, aber nicht viele wissen, dass wir hier die bisher einzige U-Bahn in ganz Israel haben. Und sie fährt sogar steil den Berg hinauf! So haben wir nach unserem Stadtbummel durch's Viertel Hadar kurzerhand entschieden, doch nicht durch's Wadi Nisnas nach Hause zu spazieren, sondern die U-Bahn nach oben auf den Berg zu nehmen. Der elektrische Stairway to Heaven.

Vom Carmel Center aus haben wir eine wunderbare Aussicht über die ganze Bucht von Haifa bis nach Rosh Hanikra und fast in den Libanon. Über hunderte Stufen ging es dann zurück, runter in die German Colony und von dort tatsächlich zu Fuß noch bis ganz nach Hause, autsch. Und dabei hatten wir voher doch noch extra eine Rav Kav-Karte für den Bus gekauft.



Tag 4: Koscheres Catering

Vielleicht etwas speziell, aber für meine Mama ganz neu: Die klasischen koscheren Caterer, die vor Shabbat im Restaurant oder den Einkaufszentren ihr vorgekochtes Essen verkaufen, da bleibt zuhause mehr Zeit, den Shabbat vorzubereiten. Für uns gehört der wöchentliche Besuch bei meinem Schwiegervater fest in die Planung, meine Mutter kannte das gute Essen nur von Erzählungen. Und obwohl es "nur" fleischig-koscher gibt, ist die Auswahl riesengroß: Fleisch, Fisch, Beilagen, Salate... von allem ein bisschen zum probieren und auch für Urlauber eine schöne Alternative, wenn am Freitag Abend die Restaurants geschlossen sind.

Außerdem heute neu für meine Mama: Sie hat mich zum ersten Mal zum Kabbalat Shabbat Gottesdienst in die Synagoge begleitet und ein paar Tage später immer noch Ohrwürmer von manchen Liedern.



Tag 5: Neues im Norden

Nachdem ich ausschlafen durfte und meine Mama erst mal ein paar Kilometer am Strand spaziert ist, haben wir einen typisch israelischen Wochenendausflug in den Norden gemacht: zum Hulatal, wo die Zugvögel auf ihrer Reise pausieren. Nicht nur wir hatten die Idee, so wurde die Stille im Naturreservat von hunderten israelischen Familien etwas gestört, aber andererseits geht's nicht israelischer als so. Eine besondere Neuheit war heute, dass meine Mama gefahren wurde - von mir! Ja, ich traue mich jetzt nach den Anfangsschwierigkeiten mit israelischen Autofahrern auch an längere Strecken!


Hulatal, die Kotel und eine leere Altstadt von Jerusalem


Tag 6: Jerusalems Geheimnisse

Die Neuheit Nummer eins heute ist eine Zugfahrt nach Jerusalem, meine Mama war noch nie am neuen Bahnhof Itzhak Navon. Von dort aus machen wir erst einen Abstecher in die Altstadt, bevor wir auf den Scopusberg fahren. Neben der Hebrew University hat das Temple Mount Sifting Project im wahrsten Sinne des Wortes seine Zelte aufgeschlagen: Hier wird Erde, die 1999 illegal vom Tempelberg ausgegbraben wurde (mit Baggern!!) und später einfach ins Kidrontal gekippt wurde nach archäologischen Funden durchsucht. 900 Tonnen waren genug, um auch nach 20 Jahren noch den ein oder anderen Schatz zu finden - und tatsächlich war in einem Eimer, den meine Mama für uns ausgewählt hat eine alte Münze! Wir werden später benachrichtigt, was genau und von wann sie ist.




Tag 7: Pelikane am Krokodilsfluss

An unserem letzten gemeinsamen Tag muss mein Freund der Arbeit wegen in die Gegend bei Cesarea, wir fahren mit und besuchen das Nahal Taninim, wörtlich den Krokodilsfluss, aber seit Anfang des 20. Jahrhunderts gibt's keine mehr, ist wahrscheinlich auch besser so, zumindest für unseren Spaziergang. Statt Reptilien sehen wir aber einen riesigen Schwarm Pelikane am Himmel kreisen, sie sind auch auf der Durchreise und machen wie wir am Mittelmeer einen kleinen Stop. Der einzige Unterschied: Die Pelikane fliegen jetzt Richtung Süden weiter und meine Mama Richtung Norden.




Schön war's! Und man sieht, auch bei der 21. Reise nach Israel gibt's immer noch viel Neues zu entdecken.


 

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