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Wie geht's uns hier gerade eigentlich?

Das wurde ich in den letzten Tagen von so vielen Freunden und Bekannten in Deutschland immer wieder gefragt. Ich wollte eigentlich nichts zum Krieg schreiben, mein Blog ist nicht politisch und ich will hier nur meine eigene Sicht auf die Dinge wiedergeben, nichts, was auch ich nur im Fernsehn gesehen hab. Bevor das ganze Chaos hier wieder los ging - es war ja nur eine Frage der Zeit - hatte ich endlich einen Besuch bei meiner Familie in Deutschland geplant. Und kaum hatte ich meine Wiedereinreise-Erlaubnis, die ich als Nicht-Israelin brauche, um wieder heim zu kommen, hat sich hier alles so hochgeschaukelt, dass vor lauter Rakten keine Airline mehr Israel anfliegen will. Ich warte und hoffe weiter, aber kaum ist Corona in Israel so gut wie vorbei, beginnt das "normale Leben" wieder.


Deswegen hier schon heute eine kleine Zusammenfassung der letzten Woche: während bei Freunden im Süden und im Zentrum ständig die Alarme schellen, geht unser Leben in Haifa fast normal weiter. Gegen Abend merkt man eine gewisse Anspannung, Geschäfte und Restaurants schließen früh und sogar unser 24 Stunden Kiosk hat gestern schon gegen 8 Uhr abends langsam alles weg geräumt. In der Deutschen Kolonie, sozusagen der Anlauf-Punkt für Touristen, die in die Stadt kommen gibt es Proteste und Randalen, Geschäfte werden abgebrannt, Menschen werfen Steine und Molotov-Cocktails. Wir sind vom Zentrum des Geschehens gut 2 Kilometer entfernt, mein Freund sagt aber auch hier, keine 2 Minuten Fußweg von uns, an der Hauptstraße wurden gestern Nacht auch Feuer gelegt. Tagsüber sieht alles dann wieder sehr ruhig und normal aus, das ist das eigentlich unheimliche.


Ich schreibe das gerade am Samstag Abend, für heute wurden die größten Randalen befürchtet, es ist "Nakba-Tag", der 15. Mai ist der sogenannte "Jahrestag der Katastrophe", ein Tag nachdem am 14. Mai 1948 der Staat Israel gegründet wurde. Es fühlt sich alles ein bisschen an wie Lockdown, so lustig wir heute noch mit den Hunden am Strand waren und Karla zum ersten Mal in ihrem Leben Salzwasser geschmeckt hat, so groß ist jetzt der Kontrast dazu: einfach zuhause zu sitzen und abzuwarten und zu hoffen, dass bei uns alles ruhig bleibt. Wir müssen dann noch mit den Hunden raus, mein Freund begleitet mich zum Glück.


Ein Blick nach Gaza, Februar 2020

Raketen-technisch ist bei uns hier im Norden alles ok, wir sind weit genug von Gaza entfernt. Ganz anders ist es bei Freundinnen im Zentrum und im Süden. Sie rufen mich aus dem Bunker an, einmal höre ich nach dem "Hallo?" auch erst mal 3 Raketen knallen, bevor wir anfangen können zu telefonieren. Wir hoffen, es war der Iron Dome, das israelische Abwehrsystem. Im Fernsehn werden die Alarme für die entsprechenden Orte live angezeigt, ich scanne die Liste immer schnell nach bekannten Ortsnamen ab und hoffe dann, dass dort trotzdem alles ok ist.

Deswegen kommt diese Woche, statt einem Blogeintrag von mir ein Bericht von Birgit. Auch der Liebe wegen ausgewandert von Österreich nach Israel lebt sie jetzt mit Mann und Hund im Süden und damit fast in unmittelbarer Nähe zum Gazastreifen, das Land ist klein. Lest hier, wie sie die letzten Tage verbracht hat:


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