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Über den Jordan und zurück - unser Ausflug in den Norden

Ich kann mich schon fast nicht mehr erinnern, wann wir zuletzt einen kleinen Familienausflug innerhalb Israels gemacht haben. Wenn, ging es immer in den Süden, mein Freund arbeitet ab und zu in Eilat, aber das ist dann auch weniger Urlaub, eher Feierabend am Strand. Demnächst muss er zu allem Überfluss bei dieser Hitze noch zu den Miluim, zum Reservedienst und bei um die 40 Grad vollbepackt und in langer, fester Army-Kleidung durch die Wüste ziehen... Also, wann sollen wir nicht mal wieder los, wenn nicht jetzt?


Ich wünsche mir einen Ausflug in den Norden, es ist nicht so weit und trotz weniger als 2 Stunden Fahrzeit war ich seit Mai 2020 nicht mehr in der Gegend um den See Genezareth! Weil der See unter dem Meeresspiegel liegt, ist es dort im August richtig heiß. Im Vorbeifahren im Auto steigt die Temperatur auf 42 Grad, eigentlich wäre es noch mehr, wir waren nicht lange genug in der Senke, aber das reicht ja auch. Es ist Ferienzeit, das heißt, alle Campingplätze um den See sind trotz der Hitze voll belegt und auch ganz im Norden am Berg Hermon ist die Hölle los - wir suchen uns also etwas ruhigere Orte dazwischen.


Unser erster Stop führt uns zum klassischen Shabbat-Frühstück: Jachnun. Das ist ein traditionelles jemenitisches Gericht, eine Art Blätterteig-Rollen mit viel, viel Butter, die über Nacht in einem Topf im Ofen ziehen. Also perfekt für Shabbat, heute wird nicht gekocht.

Dazu isst man Eier, geriebene Tomaten und Schug ("s-chug"), eine scharfe Sauce aus grünen Chili. Weil es ja Shabbat ist und die meisten Restaurants geschlossen haben - zumindest die koscheren - gibt es viele Israelis, die Jachnun zuhause vorbereiten und von dort verkaufen. Unser Jachnun haben wir im Haus mit der schönsten Aussicht abgeholt, man hat bei guter Sicht Blick bis zum Hermon, über die ganze Golanhöhen und zum See Genezareth.




Zum Essen haben wir dann einen anderen ganz besonderen Ort gefunden: das alte Rosh Pina. Eine Siedlung aus den 1890er Jahren, die Häuschen sehen immer noch aus wie damals, die Bäume sind über und über voll mit Granatäpfeln, die bald geerntet werden können - einfach ein kleiner Urlaubs-Traum.




Als nächstes steht der Golan auf unserer Liste - wir haben die Hunde dabei und mein Freund ist nicht so der Wein-Trinker, also fallen die hunderten Weingüter leider aus. Außerdem ist es mittlerweile so heiß, dass es besser für uns alle ist, so viel Zeit wie möglich im Auto zu verbringen, die Klimaanlage läuft auf Hochtouren, aber die Hunde können immerhin schlafen. Wir fahren ganz nah entlang der Grenze nach Syrien und weil wir schon so oft auf dem Berg Bental waren - wohl das Ausflugsziel schlechthin, wenn man in den Golan fährt - schauen wir, ob wir auf einen der anderen alten Vulkane können. Aber wir haben keinen Jeep und die Hälfte ist Armeegebiet, Einfahrt verboten und so bleibt uns nur der Berg Bental. Auch schön, ohne die gewohnten Menschenmassen, und unsere Hunde hatten Spaß und sind direkt mit in den Bunker.


Wer schon mal dort war, weiß, dass es leckerste Marmelade und Olivenöl von Drusen zu kaufen gibt - und wie wir zugeschlagen haben. Mit dem Zauberwort "Tahina" kriegt man mich immer. Traube-Sesam ist wahnsinnig lecker, und bei der Gelegenheit konnte ich ein bisschen Arabisch aus meinem Kurs im Winter benutzen - zum allerersten Mal, was man wohl auch gemerkt hat. Im Gegenzug hat der nette Druse dann auch Deutsch mit mir geredet - er kennt alle seine Produkte auf sämtlichen Sprachen und wartet, dass endlich wieder Touristen ins Land können.




Unterwegs entdeckt mein Freund eine Quelle bei Givat Orha. Die Straße ist wieder kaum befahrbar und auf einmal stecken mitten auf der Fahrbahn die wohl bekannten Markierungen: "DANGER MINES!". Eine einzelne Mine, die wohl im letzten Sturm unter die Straße geschwemmt wurde. Als wir eine Pipi-Pause machen warnt mein Freund mich: "Geh nur auf vorgetretenen Trampelpfaden, man weiß ja nie..." Da wird es einem schon etwas mulmig. Stilecht steht auf der anderen Seite der gekennzeichneten Mine ein alter Panzer, mehr Golan geht gar nicht.


Von dort aus fahren wir mit einem kleinen Umweg nach Hause, die Straßen sind frei und wir können uns Zeit lassen. Von den Golanhöhen geht's runter bis auf unter Meeresspiegel-Niveau zum See Genezareth. Vorbei an vollen Apfelbäumen und Mangos kreuzen wir den Jordan, wir sind zurück in der wunderschönen Idylle Galiläa. Und ich sage immer, wenn meinem Freund die Nähe zum Meer nicht so wichtig wäre, wär das unser Zuhause - ok, und ich brauche ein Auto, jetzt wo ich gern fahre.